
Grosser Bericht in der Zeitung über PUNKaRT: Baden-Badener Künstler verarbeitet Koma-Erlebnisse

Montag, 20. Juli 2026 KULTUR REGIONAL Ausgabe Nr. 164 26
Baden-Baden. Der Baden-Badener Thomas Franz Reinhold ist ein Künstler, der ständig unter Strom steht. Gelassen zieht er das meterlange Kabel durch seine Wohnung. Wenn der Strom ausfällt, muss er schnell einen Notfall-Akku anschließen, nur dann pumpt das Kunstherz verlässlich weiter.
Die Lebensgeschichte des 59-Jährigen ist ein medizinischer Thriller. „Ich male mich langsam ins Leben zurück“, sagt der gebürtige Acherner, der vor seiner Maler-Karriere erfolgreich in der Werbung tätig war.
Mit 42 Jahren bricht er aus der stressigen Werbebranche aus und führt seither das Leben eines freischaffenden Künstlers. Nach einer Corona-Impfung vor fünf Jahren fällt er für mehrere Monate ins Koma, sein Herz wird dabei schwer geschädigt. Seither lebt er mit einem Kunstherz. Thomas Franz Reinhold wohnt in Baden-Oos. Seine Wohnung ist modern eingerichtet, an den Wänden hängen großformatige, expressive Bilder. Ein Symbol taucht darin immer wieder auf: das Herz.
Wie weit beeinflusst seine Gesundheit die Malerei?
„Die Farben verraten meinen Gemütszustand“, sagt Reinhold. Wenn er euphorisch und glücklich ist, überwiegen Rot, Orange und Gelb. Startet er ein neues Bild nachdenklich grübelnd, überwiegen die Farben Blau und Grün. Am Ende ist es egal, mit welcher Stimmungslage er zu malen beginnt. Das fertige Werk strahlt eine fesselnde innere Harmonie aus. Reinhold malt abstrakt mit figürlichen Inhalten und komplexem Tiefgang. Schicht für Schicht arbeitet er sich voran, nutzt auch immer wieder den Kohlestift für profilierende Akzente. Gelegentlich arbeitet er Sand in die Werke ein. Die Bilder erhalten eine körnige Struktur mit dreidimensionalem Flachrelief. Für das Leuchten sorgen Neonfarben.
„Wenn Sie meine Bilder intensiv betrachten, dann entdecken Sie immer wieder Figuren oder Gesichter“, sagt Thomas Franz Reinhold, der von seinen Freunden PUNK genannt wird. PUNK geht auf die Jugendbewegung Mitte der 70er Jahre zurück. Reinhold bestickte damals seine schwarze Lederjacke mit einem Totenkopf. Er hängte sich Ohrstecker an, trug die Haare kurz. Ein Freund, der gerade in London die dortige Szene erlebt hatte, identifizierte Thomas Franz Reinhold sofort als Punk.
„Daraus wurde mein Spitzname“, sagt Reinhold. Als Künstler firmiert er deshalb unter PUNKaRT in den sozialen Medien und auf seiner Homepage (punkaRT. de). Die Buchstaben R und T sind die Initialen seines Namens.
Mit klassischem Punk hat seine künstlerische Arbeit indes wenig gemein. Thomas Franz Reinholds explosive Farbenwelt entspringt der Pop Art, jener Bewegung also, die sich Mitte der 50er Jahre aus Großbritannien und den USA verbreitete. Inspiriert haben ihn die Arbeiten von Andy Warhol, dessen Bilder er in der Chefetage eines Medienkonzerns immer wieder hautnah studieren konnte. Damals wurde sein Faible für plakative Kunst vorgezeichnet.
Mit seinem Bruder malte Reinhold als Jugendlicher um die Wette. „Wir haben sehr viel gemeinsam gemalt und uns an Comics orientiert“, erinnert sich Thomas Franz Reinhold. Eigentlich wollte er auf die Kunstakademie, aber der Vater pochte auf eine „ordentliche“ Berufsausbildung. Also startete er eine Ausbildung als Werbekaufmann, arbeitete 20 Jahre in bekannten Agenturen und machte sich dann als Kreativer selbstständig.
Alles läuft gut für Thomas Franz Reinhold, bis zum Ausbruch der Pandemie. Wenige Tage nach der zweiten Covid-19-Impfung bricht er zusammen. Drei Monate liegt Reinhold im Koma, sein Herz ist schwer geschädigt. Weil eine Transplantation unmöglich ist, bekommt er vorübergehend ein Kunstherz eingepflanzt.
Aus dem Provisorium ist inzwischen ein Dauerzustand geworden. Seit fünf Jahren treibt Strom sein künstliches Herz an. Drei Monate im Koma, von Juli bis Oktober 2021, werden für Reinhold zu einer existenziellen Grenzerfahrung, über die er ein Buch geschrieben hat, für das er jetzt einen Verleger sucht.
Thomas Franz Reinhold macht im Koma surreale Grenzerfahrungen mit Sterberitualen und Farbexplosionen
Das surreale Koma-Erleben: Reinhold ist tot, jetzt will er in den Himmel. Er sieht sich vor der Antoniuskapelle in Oberachern stehen. Der Ort ist ihm aus seiner Kindheit vertraut. Während er den Eingang mit den Stufen zum Himmel sucht, hört er Stimmen. „Was suchst du hier?“, wird er gefragt. „Ich bin tot“, antwortet Reinhold. Nein, er sei nicht tot, er stehe nicht auf der Liste der Gestorbenen.
Aber man könne ihm, da er schon mal da sei, die unterschiedlichsten Bestattungsrituale vorführen. So sieht sich Reinhold mal im Sarg, mal verpackt als ägyptische Mumie und schließlich im Kochtopf von Menschenfressern. Nach diesem mortalen Höhepunkt ändern sich seine Traumwelten. Nun erlebt er Farben in einer nie dagewesenen Intensität. Diese geträumten Farbexplosionen will er in seinen neuen Bildern verarbeiten.
Noch ein Koma-Erlebnis fasziniert: Reinhold hört Töne. „Es machte immer bling, bling, so wie es am Bahnübergang klingt, wenn die Schranken runtergehen.“ Aber der Zug ist nie gekommen.
Das Unerklärliche löst sich nach seinem Erwachen aus dem Koma. Er hörte das Bling-Bling der medizinischen Geräte.
Thomas Franz Reinhold wirkt nach all diesen Erfahrungen keineswegs erschöpft oder niedergeschlagen. Ganz im Gegenteil strahlt er Optimismus und Zuversicht und dazu eine gesunde Portion Ironie aus. Ein Selbstporträt zeigt ihn als Superman in kraftvoller Pose mit umhängender Kunstherz-Tasche.

Das Erlebte inspiriert ihn: Thomas Franz Reinhold vor seinem Selbstporträt mit umhängender
Kunstherztasche. Der Künstler aus Baden-Baden malt nicht nur, er hat auch ein Buch
geschrieben. Foto: Bernd Hefter